6. September 2025 / Allgemeines

Fahrradpotential bei Polizei wird nicht ausgeschöpft

Grüne sehen auch in Bamberg viel guten Willen, aber zu wenig Personal

Veröffentlicht am 6. September 2025 um 10:00 Uhr

„Fahrräder, die nur in der Garage stehen, braucht die Polizei bestimmt nicht“, so kommentiert Ursula Sowa, grüne Landtagsabgeordnete aus Bamberg, die Antwort des Innenministeriums auf ihre jüngste Anfrage. Sowa hatte nachgehakt beim Thema Polizeifahrradstaffel und wollte wissen, wie es bayernweit mit Einsätzen der Polizei auf dem Fahrrad aussieht.

Vor Jahren habe man seitens des Innenministeriums da durchaus etwas auf die Beine stellen wollen, meint Sowa. Nun muss sie aber ernüchtert feststellen, dass diese Entwicklung sichtlich ins Stocken oder gar zum Erliegen gekommen ist. Denn die Zahlen aus dem Ministerium findet sie enttäuschend.

30.000 Fahrradeinsatzstunden gibt es demnach aktuell in Bayern pro Jahr. Bei derzeit insgesamt 30.200 Beamt:innen bei den bayerischen Landespolizeiinspektionen sitzt demnach – statistisch gesehen - jede:r gerade mal eine Stunde im Jahr im Fahrradsattel. 800 Fahrräder stehen auf bayerischen Polizeiwachen bereit. „Das heißt, dass sich 38 Polizist:innen ein Fahrrad teilen“, rechnet Sowa. Und: „Jedes von diesen Fahrrädern ist im Durchschnitt nur 37,5 Stunden jährlich im Einsatz. Sie stehen also mehr herum, als dass sie zugunsten von Ordnung und Sicherheit auf der Straße sind.“

Dass hier viel Potential ungenutzt bleibt, findet auch Sowas Kollege in der Stadtratsfraktion Grünes Bamberg, Christian Hader. „Fahrradstreifen können oft viel agiler, flexibler und zielgenauer handeln – gerade in Städten wie dem Weltkulturerbe Bamberg mit hohem Radverkehrsanteil und gleichzeitig vielen schmalen Gassen und engen Straßen“, sagt er. „Besonders die Bamberger Polizei ist hier sehr innovativ und setzt gerne und vergleichsweise häufig auf das Fahrrad, ist aber aufgrund Personalmangels oft nicht in der Lage, diese Möglichkeit angemessen zu nutzen.“

Vor vier Jahren startete unter anderem in Bamberg das Pilotprojekt „Polizeifahrradstaffel“ des Innenministeriums. Heute kann Ursula Sowa keine klaren Konsequenzen daraus erkennen, auch in der Antwort auf ihre Anfrage ist Innenminister Herrmann diese schuldig geblieben. Aus ihrer Sicht droht der Pilotversuch zu verpuffen: „Einfach nur bei den Polizeiwachen ein Fahrrad in die Garage zu stellen, ist nicht ausreichend.“ Sie will es darauf nicht beruhen lassen: „Es braucht örtlich abgestimmte Strukturen sowie strategische Vorgaben für Dienst- und Einsatzpläne und vor allem generell mehr Personal bei der Polizei. Ich will nicht lockerlassen und werde Innenminister Herrmann dazu bringen, dass er energischer in die Pedale tritt.“

Fotoquelle: Ursula Sowas, Mitglied des Landtages/ Thomas Ochs

Quelle: Ursula Sowas, Mitglied des Landtages

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