13. August 2020 / Allgemeines

Damit Jugendliche sicher Fahrrad fahren

Die Otto-Friedrich-Universität Bamberg informiert

Veröffentlicht am 13. August 2020 um 10:05 Uhr

Sportwissenschaftliche Studie: Geschicklichkeitsübungen helfen, Gefahren im Straßenverkehr besser zu erkennen.

Kinder und Jugendliche sollen künftig im Straßenverkehr mit größerer Sicherheit Fahrrad fahren – das ist das Ziel des Forschungsprojektes „Vorschulische und schulische Mobilitäts- und Verkehrserziehung / Radfahrprojekt für die Sekundarstufe I“. Prof. Dr. Stefan Voll, Leiter der Forschungsstelle für Angewandte Sportwissenschaften (FfAS) der Universität Bamberg, hat das Projekt, das im März 2019 begann, mit seinem Mitarbeiterteam abgeschlossen. „Wir konnten nachweisen, dass Schülerinnen und Schüler Gefahrensituationen im Straßenverkehr schneller erkennen und umsichtiger fahren, wenn sie regelmäßig Geschicklichkeitsübungen durchführen“, so fasst Stefan Voll die Ergebnisse zusammen.

Hohe Unfallzahlen von Kindern ab 10 Jahren

Nach der Radfahrausbildung in der vierten Grundschulklasse nutzen viele Kinder ihr Fahrrad häufiger in der Freizeit oder für den Schulweg. Dadurch steigen auch die Risiken: Im Jahr 2018 verunglückten laut dem Statistischen Bundesamt 7.701 der 10- bis 14-Jährigen beim Radfahren. Wegen dieser hohen Unfallzahlen handelte das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur. Es legte dem Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GdV) nahe, ein Forschungsprojekt zu entwickeln, um Folgendes herauszufinden: Inwiefern können neurologisch ausgerichtete Übungs- und Trainingsformen dazu beitragen, die Verkehrssicherheit bei 10- bis 14-jährigen Radfahrerinnen und Radfahrern zu erhöhen?

Bundesweit wurde von der GdV das entsprechende Forschungsprojekt ausgeschrieben. Der Projektauftrag verbunden mit einem Zuschlag von 35.000 Euro erging an Stefan Voll von der Universität Bamberg. Er führte die wissenschaftlichen Testreihen gemeinsam mit Larissa Moritzer, die für die administrative und operative Lenkung zuständig war, am Meranier-Gymnasium und der Herzog-Otto-Schule in Lichtenfels durch.

Mit Koordinationsübungen die Reaktionsfähigkeit steigern

Die Experimentalgruppen erhielten sechs Wochen lang wissenschaftlich gestützte Trainingseinheiten, um Motorik und Konzentration zu fördern. „Wir haben die exekutiven und kognitiven Funktionen der Schülerinnen und Schüler trainiert: vor allem Wahrnehmungsfähigkeit, Konzentration und Entscheidungsfähigkeit, die im Straßenverkehr wichtig sind“, erläutert Stefan Voll. Und Larissa Moritzer ergänzt: „Außerdem führen koordinative Trainingsformen in den Bereichen Steuerungs-, Reaktions- und Gleichgewichtsfähigkeit nachweislich zu Steigerungen im Arbeitsgedächtnis.“ Diese Fähigkeiten trainierten die Schüler unter anderem mit Übungen auf dem Fahrrad, die auch der kognitiven Aktivierung dienten. Für die Kontrollgruppen änderte sich der Schulalltag nicht.

Der Vergleich bei den Abschlusstests zeigte, dass die Experimentalgruppen insgesamt umsichtiger gefahren sind und Gefahren auf dem Übungsplatz schneller erkannt haben, was sich positiv auf den Straßenverkehr auswirken kann. „Besonders bemerkenswert finde ich, dass sich gerade die Jugendlichen, die im Fahrradfahren eher unbedarft waren, im sechswöchigen Interventionszeitraum deutlich gesteigert haben“, so Larissa Moritzer.

„Die Ergebnisse stimmen mich optimistisch“, sagt Voll. „Unter Umständen könnten auch Schülerinnen und Schüler an weiterführenden Schulen Sicherheitstrainings erhalten.“ Deshalb beabsichtigt der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft, die Ergebnisse in ein bundesweites Fahrradsicherheitsprojekt für weiterführende Schulen einzuspeisen.

Dieses Forschungsprojekt stammt aus dem Forschungsschwerpunkt „Empirische Sozialforschung zu Bildung und Arbeit“ der Universität Bamberg. Weitere Informationen und aktuelle Meldungen zum Schwerpunkt finden Sie unter www.uni-bamberg.de/forschung/profil/bildung-und-arbeit

Bildunterschrift: Miteinander das Gleichgewicht halten, hieß die Aufgabe, die die jungen Radfahrer bestens bewältigten. 
Bildquelle: Universität Bamberg 
Quelle: Otto-Friedrich-Universität Bamberg

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