Kunst als Ausdruck von Identität und Erinnerung
Ausstellung von Kunstwerken der kenianisch-deutschen Künstlerin Syowia Kyambi im Diözesanmuseum Bamberg
Bamberg. Das Diözesanmuseum Bamberg zeigt als Synopse in einer Einraumausstellung sechs Wochen lang, bis zum 14. April, einige Kunstwerke der Künstlerin Syowia Kyambi aus Kenia, aktuelle Spitzenprofessorin an der Nürnberger Akademie der bildenden Künste. Mit dieser Professur wird vom Bayerischen Wissenschaftsministerium eine herausragende künstlerische und gesellschaftliche Arbeit gewürdigt. Kyambi beschäftigt sich in ihrer Kunst vor allem mit den Themen Identität und Erinnerung. Der Umgang mit Geschichte und die Schaffung von Aushandlungsräumen spielt eine zentrale Rolle in ihrem Schaffen. Syowia Kyambi war in diesem Jahr Gastkünstlerin beim Aschermittwoch der Künstlerinnen und Künstler in Bamberg.
Mehrere Ausstellungsstücke sind der Kunstfigur Kaspale gewidmet, mit der Kyambi in Geschichte interveniert. Der Name setzt sich zusammen aus dem deutschen ‚Kaspa‘ / ‚Kasper‘, also einer fiktionalen Theaterfigur, und dem Wort ‚pale‘, das aus der Sprache Swahili stammt. Es bedeutet in etwa ‚da drüben‘. Kaspale wurde 2018 von Kyambi geschaffen und seitdem mehrfach weiterentwickelt. Sie setzt diese Kunstfigur immer dann ein, wenn ein Thema zu groß und komplex scheint, um von einem einzigen Menschen mit einer Herkunft, einem Geschlecht und der Möglichkeit einer sozialen Einordnung bearbeitet zu werden. In solchen Fällen verwandelt Kyambi sich selbst in Kaspale. Über einen solchen Prozess des Werdens von Kaspale berichtet die Videoarbeit „Becoming Kaspale“.
Ein weiteres Kunstwerk ist „Das Grüne Gold“. Gemeint sind Sisalfasern, die aus verschiedenen Arten einer Pflanzengattung (Spargelgewächse) gewonnen werden können. Eine als „Schwiegermutterzunge“ bekannte Sisalpflanze wurde bereits von Kyambis Großmutter zur Herstellung von Matten und Körben verwendet. Die großflächige Sisalherstellung dagegen geht auf eine ergiebigere, in der Kolonialzeit gegen Ende des 19. Jahrhunderts aus Mexiko nach Tansania gebrachte Sisalpflanze zurück. Die Installation „Das grüne Gold“ stellt die beiden Sisalfasern verschiedener Herkunft und verschiedener Geschichte gegenüber und verbindet sie mit lyrischen Briefen. So zeigt sie den Einfluss von Kolonialismus und verknüpft dessen Geschichte gleichzeitig mit Arbeits- und Machtstrukturen.
Eine ganze Raumseite nimmt die monumentale Videoinstallation „I’ve heard many things about you“ ein, ein Ausschnitt aus einer viereinhalbstündigen Performance, die auf den Völkermord in Namibia in der Kolonialzeit aufmerksam macht. Die Arbeit war Teil der Ausstellung der Künstlerin auf der Biennale in Venedig 2022.
Die Ausstellung „Syowia Kyambi _ Synopsis“ ist in den Rundgang des Diözesanmuseums integriert und über den Kreuzgang erreichbar. Dort befindet sich mit Sonja Toepfers Videoloop „Zu Asche“ ein weiteres hochkarätiges Werk, das zum Aschermittwoch 2024 für das Diözesanmuseum erworben wurde. Museum, Sonderausstellung und Museumscafé sind geöffnet: Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag und Samstag von 10 bis 17 Uhr, Sonntag von 13 bis 17 Uhr. Mittwochs ist das Museum geschlossen.
Weitere Informationen finden Sie auch auf der Homepage des Diözesanmuseums:https://dioezesanmuseum-bamberg.de/
Für die Redaktionen: Unter folgendem Link finden Sie zusätzlich Fotos zur Künstlerin, sowie eine Biografie. Außerdem finden sich auch Fotos zum gestrigen Aschermittwoch der Künstlerinnen und Künstler in einem eigenen Ordner. Sobald es eine Freigabe gibt, werden wir auch den Nachbericht zur Veranstaltung ergänzen: https://eo-ba.sharefile.eu/share/view/seb69bdfa01d7447a83ace46248ac40fc/fod784ef-21cf-4dc7-868d-31b534792d9d
Quelle: Erbistum Bamberg

