Der demographische Wandel stellt den Landkreis Bamberg in den kommenden Jahren vor erhebliche Herausforderungen. Mit einer stetig wachsenden Zahl älterer und pflegebedürftiger Menschen gewinnt die pflegerische Versorgung zunehmend an Bedeutung – nicht nur für die Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Angehörigen, sondern auch als zentrale Säule des gesellschaftlichen Miteinanders und der Zukunftsfähigkeit der Region.
Die Kurzzeitpflege übernimmt eine zentrale Entlastungsfunktion für pflegende Angehörige und dient der Überbrückung zwischen ambulanter und stationärer Pflege. Jedoch besteht ein struktureller Mangel an fester Kurzzeitpflege und somit erheblicher Handlungsbedarf.
Vor diesem Hintergrund fand am 11. Dezember 2025 das Fachforum Kurzzeitpflege im Bauernmuseum Bamberger Land in Frensdorf statt. Organisiert wurde die Veranstaltung von der GesundheitsregionPlus Bamberg gemeinsam mit dem Fachbereich Soziale Entwicklung, Inklusion des Landratsamts Bamberg. Die Moderation übernahm Anna-Lena Königbauer von der Koordinationsstelle Pflege und Wohnen in Bayern. Vertretungen aus der Pflege und der Politik nahmen teil, um sich über aktuelle Herausforderungen und erfolgreiche Praxisbeispiele auszutauschen und sich über Fördermöglichkeiten zu informieren.
Kurzzeitpflege als Herausforderung, Chance und bereichernde Aufgabe
Nach der Begrüßung durch Johannes Maciejonczyk, stellvertretender Landrat des Landkreises Bamberg, ordnete Martin Wienand, Geschäftsführer und Einrichtungsleiter der Haus St. Vinzenz von Paul GmbH – Soziale Dienste, Kleinostheim, sowie Sprecher der Arbeitsgruppe Kurzzeitpflege beim Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention, die zentrale Bedeutung der Kurzzeitpflege ein. In seinem Vortrag machte er die Wichtigkeit dieses Unterstützungsangebots für die häusliche Versorgung deutlich und skizzierte die vielfältigen Herausforderungen, mit denen die Beschäftigten konfrontiert sind – von der Pflege über die Haustechnik bis hin zur Verwaltung. Zugleich betonte Wienand die Chancen der Kurzzeitpflege: sie ermögliche es, Menschen in schwierigen familiären Pflegesituationen gezielt zu unterstützen und stelle für die Mitarbeitenden eine sinnstiftende Tätigkeit mit hoher emotionaler Zufriedenheit dar. Die wechselnden Pflegesettings böten darüber hinaus ein abwechslungsreiches und attraktives Betätigungsfeld für alle beteiligten Berufsgruppen.
Ein weiteres gelungenes Praxisbeispiel präsentierte Melissa Wolf, Pflegedienstleitung des Seniorenwohnparks St. Martin, Baiersdorf. Sie stellte die solitäre Kurzzeitpflege der mpe Pflege GmbH vor und zeigte auf, dass insbesondere enge Kooperationen mit weiteren Dienstleistern, Hausärztinnen und Hausärzten sowie therapeutischen Angeboten maßgeblich zum Erfolg beitragen. Ein motiviertes Team, eine wertschätzende Arbeitsatmosphäre und eine hohe Zahl an Auszubildenden seien wichtige Bausteine, um Fachkräfte langfristig zu gewinnen und zu binden sowie die Versorgung nachhaltig zu sichern.
Abschließend hoben sowohl Martin Wienand als auch Melissa Wolf hervor, dass Kurzzeitpflege unter geeigneten Rahmenbedingungen inzwischen nicht nur fachlich sinnvoll, sondern auch wirtschaftlich tragfähig umgesetzt werden kann.
Fördermöglichkeiten und regionale Unterstützung
Anna-Lena Königbauer von der Koordinationsstelle Pflege und Wohnen in Bayern informierte über die Förderprogramme des Freistaats Bayern und erläuterte, wie Träger von Pflegeeinrichtungen diese gezielt nutzen können. Im Anschluss stellte Maarit Stierle vom Landratsamt Bamberg eine neue Fördermöglichkeit des Landkreises vor. Die neue Förderrichtlinie tritt zum Januar 2026 in Kraft und soll den Ausbau sowie die Weiterentwicklung der Kurzzeitpflege gezielt unterstützen. Der Zuschuss ist insbesondere darauf ausgerichtet, den zusätzlichen organisatorischen und personellen Mehraufwand auszugleichen, der mit dem Betrieb von Kurzzeitpflegeplätzen verbunden ist.
Austausch und gemeinsame Perspektiven
Im zweiten Teil des Fachforums stand der fachliche Austausch im Mittelpunkt. In thematischen Stationen diskutierten die Teilnehmenden praxisnah über bestehende Hürden und Perspektiven für eine zukunftsfähige Gestaltung der Kurzzeitpflege im Landkreis Bamberg. Gerade für die Vertreterinnen und Vertreter aus der Pflege bot der Austausch eine wertvolle Gelegenheit, sich frühzeitig über mögliche Stolpersteine zu informieren und bewährte Lösungsansätze für bestehende Herausforderungen zu teilen. Zugleich förderte das Fachforum die weitere Vernetzung der Beteiligten und setzte motivierende Impulse, sich künftig verstärkt im Bereich der Kurzzeitpflege zu engagieren.
Quelle und Fotos: Landratsamt Bamberg

