20. September 2026 / Lokalnachrichten

Nach 67 Jahren: Wohnzimmer Koch schließt

Räumungsverkauf startet am 23. September

Veröffentlicht am 20. September 2026 um 07:00 Uhr

Traditionsunternehmen beendet Geschäftsbetrieb zum Jahresende – bis zu 57 Prozent Rabatt auf das gesamte Sortiment
Bamberg – Nach 67 Jahren endet die Geschichte eines traditionsreichen Bamberger Familienunternehmens: Möbel Koch schließt zum Ende des Jahres 2026. Für Geschäftsführer Jürgen Koch ist es ein harter und emotionaler Schritt. Über Jahrzehnte wurde das Unternehmen weiterentwickelt, modernisiert und an die Veränderungen im Möbelhandel angepasst. Eine Nachfolgelösung konnte trotz mehrjähriger Suche jedoch nicht gefunden werden.

Ab 23. September 2026 beginnt der totale Räumungsverkauf wegen Geschäftsaufgabe. Das gesamte Sortiment und sämtliche Lagerbestände müssen bis zum Jahresende abverkauft werden. Die Kunden erwartet dabei ein umfassender Abverkauf mit Preisnachlässen von bis zu 57 Prozent.

Vom 21-jährigen Gründer zum Bamberger Möbelhaus
Die Geschichte von Möbel Koch begann im Sommer 1959. Der damals erst 21-jährige Josef Koch erfüllte sich seinen Traum von der Selbstständigkeit. Nach einer kaufmännischen Ausbildung und einer Tätigkeit im Möbelauslieferungslager Grünthal wagte er mit 1.900 DM Startkapital und einem gebrauchten Opel Rekord den Schritt in die Selbstständigkeit.

Die erste Geschäftsstelle befand sich im kleinen Obergeschoss-Wohnzimmer seiner Mutter. Bereits wenige Jahre später entwickelte sich daraus ein echtes Unternehmen. Am 1. März 1963 mietete Josef Koch in der Siechenstraße 5 ein rund 60 Quadratmeter großes Ladengeschäft. Gemeinsam mit seinen Brüdern Richard und Erich sowie seiner Ehefrau Anita baute er das Unternehmen kontinuierlich auf.

Ein wichtiger Meilenstein folgte 1968 mit dem Einstieg in den bundesweiten Versandhandel für Polstermöbel. Unter dem Motto „Direkt ab Hersteller“ wurden Möbel weit über Bamberg hinaus verkauft. Besonders erfolgreich war die Ledergarnitur „Mexiko“, die 1970 zu einem Verkaufsschlager wurde und Möbel Koch bundesweit bekannt machte.

1988: Der Umzug in die Gutenbergstraße
Nach Jahren des Wachstums folgte 1988 der nächste große Schritt. Am 1. März 1988 eröffnete das neue Möbelhaus in der Gutenbergstraße mit zunächst rund 3.000 Quadratmetern Fläche.

1989 trat Jürgen Koch in das Unternehmen ein. Als Prokurist übernahm er zunehmend Verantwortung und leitete unter anderem den großen Umbau zum 40-jährigen Firmenjubiläum 1999. Im Jahr 2001 übernahm er die Geschäftsführung.

2008 wurde das Möbelhaus nochmals umfassend erweitert. Ein zusätzliches Stockwerk und ein eigenes Parkhaus vergrößerten das Angebot und verbesserten die Infrastruktur für die Kunden. Die Verkaufs- und Nutzfläche wuchs schließlich auf rund 4.000 Quadratmeter.

Digitalisierung und Anpassung an neue Zeiten
Auch technologisch wurde das Unternehmen unter Jürgen Koch immer wieder weiterentwickelt. Eigenentwickelte IT-Lösungen wie Echtzeit-Warenbestände, digitale Kaufverträge, ein Handytourenplaner und ein weitgehend papierloses Büro gehörten zu den Modernisierungsmaßnahmen.

Jürgen Koch engagierte sich zudem im Polsterausschuss und in der IT-Arbeitsgruppe des Einkaufsverbands EMV. Auch die Corona-Zeit stellte das Unternehmen vor neue Herausforderungen und erforderte Anpassungen bei den betrieblichen Abläufen.

Drei bis vier Jahre auf der Suche nach einer Nachfolge
Bereits seit mehreren Jahren beschäftigte sich die Geschäftsführung intensiv mit der Zukunft des Unternehmens. Drei bis vier Jahre lang wurde nach einer geeigneten Nachfolgelösung gesucht. Letztlich konnte jedoch kein Nachfolger gefunden werden.

Gleichzeitig hat sich der Möbelhandel in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Seit der Corona-Zeit hätten sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen weiter verschärft. Steigende Kosten, verändertes Kundenverhalten, der hohe Investitionsbedarf im stationären Handel und der Fachkräftemangel stellten das Unternehmen vor zunehmende Herausforderungen.

Statt diese zusätzlichen Kosten vollständig an die Kunden weiterzugeben, habe man sich letztlich für einen geordneten Abschluss entschieden. Die Geschäftsaufgabe erfolgt dabei ohne Insolvenz.

Zehn Mitarbeiter betroffen
Mit der Schließung endet auch die Beschäftigung von rund zehn Mitarbeitern. Nach Angaben des Unternehmens haben bereits mehrere beziehungsweise ein großer Teil der Beschäftigten eine neue berufliche Perspektive gefunden.

Parallel zum Räumungsverkauf laufen die Vorbereitungen für die anschließende Übergabe des Gebäudes. Die rund 4.000 Quadratmeter große Fläche soll nach der vollständigen Räumung für eine Neuvermietung vorbereitet werden.

Auch für die Zeit nach der Schließung werden bereits Lösungen geprüft. Unter anderem gibt es Gespräche über eine Kooperation mit einem Unternehmen aus Forchheim, das sich künftig um die Betreuung von Kunden kümmern könnte.

Räumungsverkauf ab 23. September
Für die Kunden beginnt nun die letzte Verkaufsphase. Das komplette Möbelangebot sowie die Lagerbestände werden ab dem 23. September abverkauft.

Im Angebot befinden sich hochwertige Qualitätsmöbel namhafter Hersteller und aktuelle Möbelkollektionen, die teilweise erst vor wenigen Wochen von Fachmessen in die Ausstellung aufgenommen wurden. Verkauft werden unter anderem:

Polstermöbel
Speisezimmer
Tischgruppen
Wohnmöbel
Teppiche
Kissen
Boutique-Artikel
Dekorationsartikel

Auf zahlreiche Artikel gibt es bis zu 57 Prozent Preisnachlass.

Das Möbelhaus bleibt am 21. und 22. September wegen Vorbereitungsarbeiten geschlossen. Anschließend startet der Räumungsverkauf.

„Dieser Schritt fällt uns unendlich schwer“
Für Jürgen Koch ist die Geschäftsaufgabe nach fast sieben Jahrzehnten mehr als eine wirtschaftliche Entscheidung.

„Dieser Schritt fällt uns unendlich schwer. Nach so vielen Jahrzehnten voller Herzblut, persönlichem Einsatz und der Verantwortung für unsere Mitarbeiter und Kunden ist es ein sehr emotionaler Moment. Wir haben über viele Jahre nach einer Nachfolgelösung gesucht und gleichzeitig alles dafür getan, das Unternehmen weiterzuentwickeln. Am Ende müssen wir jedoch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und die fehlende Nachfolge realistisch betrachten.“
Mit dem Jahresende 2026 endet damit eine Unternehmensgeschichte, die 1959 mit einem 21-jährigen Gründer, 1.900 DM und einem gebrauchten Opel Rekord begann und über sechs Jahrzehnte zu einem festen Bestandteil des Bamberger Möbelhandels wurde.

„Wenn weg, dann weg“ – unter diesem Motto werden in den kommenden Monaten die letzten Möbelstücke und Lagerbestände von Möbel Koch verkauft.

Quelle: Wohnzimmer Koch/100% Baberg

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