28. Dezember 2022 / Lokalnachrichten

„Wie Horst Feulner mit Konflikten umgeht, habe ich immer bewundert“

OB Starke würdigt die Verdienste von Horst Feulner

Er war für die Brose Arena, die Konzert- und Kongresshalle und in den letzten Jahren auch für die Sandkerwa verantwortlich – nun geht Horst Feulner in den wohlverdienten Ruhestand. Oberbürgermeister Andreas Starke spricht von einem Glücksfall, dass Feulner sich vor zwei Jahrzehnten für die Aufgabe in Bamberg entschieden hat. „Horst Feulner hat den defizitären Veranstaltungs- und Kongressbereich auf finanziell sehr erfolgreiche Füße gestellt, dafür gilt mein größter Dank“, sagte Starke. Für Feulner war das Engagement in Bamberg die „beste Entscheidung meines beruflichen Lebens“ – dabei war die Karriere als Hallenmanager für den früheren Polizisten gar nicht absehbar. 

„Über 20 Jahre hat Horst Feulner mit großem Erfolg und Geschick die Bamberg Congress & Event GmbH und die Bamberg Arena Betriebsgesellschaft mbH geleitet. Unter ihm haben die Konzert- und Kongresshalle einschließlich Arena und Harmoniesäle mehrstellige Gewinne erzielt“, würdigte Oberbürgermeister Andreas Starke die Leistung des 66-Jährigen bei der Verabschiedung. Diese fand im Foyer der Konzert- und Kongresshalle statt, dem Ort, an dem der aus Bayreuth stammende Feulner es innerhalb weniger Monate geschafft hat, die Belegschaft nach schwierigen Zeiten neu zu motivieren und ein funktionierendes Team zu formen.  

Von Feulner könne jeder lernen, wie Konflikte aufzulösen sind: „Interessiert schauen, die Ohren offenhalten und zusehen, wie der Rauch sich verzieht. Das habe ich immer bewundert.“ Die Beliebtheit Feulners zeigte sich auch jetzt bei der Feier, zahlreiche Wegbegleiter wollten sich persönlich von ihm verabschieden. Feulners Truppe war in seiner Zeit von zwölf Festangestellten und knapp zehn Minijobber:innen auf 55 festangestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und über 200 Minijobber:innen angewachsen: zu einem „ausgeglichenen, in sich stimmigen Team“, so Starke. In den letzten vier Jahren war Feulner als einer von zwei Geschäftsführern der Sandkerwa Veranstaltungs GmbH auch verantwortlich für Bambergs größtes Volksfest. Mit seinem Abschied übernimmt Nachfolger Dominik Nakic die Leitung des Veranstaltungs- und Kongressbereichs, ebenso den Geschäftsführerposten bei der Sandkerwa. Auch er würdigte in einer Ansprache die Verdienste seines Vorgängers und sprach in großer Hochachtung von ihm: „Er ist ein grundehrlicher Typ, ein Mann, auf dessen Wort man sich zu 100 Prozent verlassen kann und der immer eine gute Antwort parat hat.“ 

OB Starke wünschte Feulner für den Ruhestand Gesundheit und mehr Zeit für Familie und seine zahlreichen sportlichen Hobbys: Ob Tennis, Ski-, Rad- oder Motorradfahren – „zunächst werde ich mich nicht langweilen“, ist sich Feulner sicher.  

Vom Polizisten zum Hallenmanager - Interview mit Horst Feulner

Im Abschieds-Interview spricht Horst Feulner darüber, wie alles in Bayreuth begann, welche Veranstaltungen in Bamberg ihm besonders im Gedächtnis geblieben sind, und wie er in Zukunft die Sandkerwa genießen will.   

Sie sind ausgebildeter Polizeibeamter – wie wird ein Polizist zum Hallenmanager? 

Horst Feulner: Das hat mehrere Gründe. Ich war 14 Jahre bei der Bundespolizei, damals war es noch der Bundesgrenzschutz, zuletzt als stellvertretender Hundertschaftsführer, und habe die ganzen wilden Jahre der Republik mitgemacht: von Gorleben über Wackersdorf bis zur Startbahn West am Frankfurter Flughafen. Ich war aber zum Schluss mit meiner beruflichen Situation unzufrieden, da karrieretechnisch nicht mehr allzu viel möglich war, ohne die Region zu verlassen. 

Dann haben Sie was anderes gesucht?

Richtig offensiv gesucht habe ich nicht. Wie aber der Zufall halt so spielt, war  an einem Samstag, bevor wir in den Urlaub gefahren sind, ein Inserat in der Bayreuther Zeitung: Für die Oberfrankenhalle, die sich damals noch im Bau befand, wurde ein Leiter gesucht. Da ich im Sport schon sehr engagiert war, unter anderem als ehrenamtlicher Geschäftsführer des größten Sportvereins in Bayreuth, und die Oberfrankenhalle überwiegend für Sport gedacht war, habe ich mich einfach beworben.

So ging das los?

Es waren 55 Bewerber. Warum man mich genommen hat, kann ich Ihnen auch nicht so genau erklären (lacht). Aber so ging das los, und ich bin in dieses Geschäft hineingewachsen. 2001 kam ich dann nach Bamberg. Zunächst als Geschäftsführer unter privaten Betreibern für das Forum – heute Brose-Arena. Als der Betrieb dort nicht weiterging, fragte mich der leider schon verstorbene OB Herbert Lauer, ob ich mir vorstellen könne, die kriselnde Stadthallen GmbH zu übernehmen, die damals nur die Konzerthalle bewirtschaftet hat. Mein erster Auftrag war, das Defizit von 650.000 Euro jährlich zu reduzieren. Im Zuge dessen haben wir 2005 die Bamberg Congress + Event Service GmbH gegründet, da mir klar war, dass das allein mit dem Hallengeschäft nicht zu machen war, sondern weitere Einnahmequellen braucht.

Dann kam später die Brose Arena dazu. Welche Veranstaltung dort ist Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?

In der Arena muss man unterscheiden zwischen Sport und Kultur. Höhepunkte waren für mich natürlich die extrem hochklassigen Basketballspiele in der Euroleague gegen europäische Spitzenmannschaften wie Barcelona, Madrid oder Piräus. Und – als selbst aktiver Tennisspieler – die Davis-Cup-Begegnung Deutschland gegen Argentinien im Jahr 2012. Die war auch sehr, sehr herausfordernd für das Hallenteam, weil davor noch ein Basketball-Euroleague-Spiel stattgefunden hatte. In 24-Stunden-Schichten mussten wir den speziellen Tennisboden einbauen und ihn hinterher wieder in Stücke schneiden und rausschaffen, um das nächste Basketballspiel vorzubereiten. Das war sicherlich eine der anspruchsvollsten Veranstaltungen, aber natürlich schon extrem spannend, den Davis-Cup in einer Stadt unserer Größe zu haben.

Und im Musikbereich? 

Bob Dylan war sicherlich im Pop/Rock-Bereich mit an erster Stelle. Ansonsten natürlich das Konzert von Lang Lang, einem absoluten Weltstar. Wir haben es geschafft, um es vorsichtig zu sagen, eine akustisch nicht optimale Halle mit entsprechenden Maßnahmen in Zusammenarbeit mit den Bamberger Symphonikern so hinzubekommen, dass ein klassisches Klavierkonzert möglich war.

Wie wichtig ist die Brose-Arena für Bamberg? Es ist immerhin die drittgrößte Halle in Bayern…

Aktuell ist die Arena noch die drittgrößte Halle in Bayern, in München wird derzeit allerdings eine deutlich größere Halle geplant. Aber klar, Veranstaltungshallen haben schon einen großen regionalwirtschaftlichen Hintergrund. Man darf nicht nur die Tatsache sehen, dass Miete bezahlt wird und Menschen in der Halle arbeiten, sondern man muss das Große drum herum sehen – wie Übernachtungen in der Stadt oder die Einnahmen in der Gastronomie. Wenn Tagungen und Kongresse stattfinden, bei denen die Teilnehmer mehrere Tage in Bamberg sind, dann profitieren auch die Hotels, der Einzelhandel und der ÖPNV. 

Über eine Veranstaltung müssen wir auch reden, die Sandkerwa. Wie schwierig war es, diese nach dem Ausfall 2017 wiederzubeleben?

Das war eine der schwierigsten Aufgaben meiner Amtszeit, weil da was zusammenwachsen musste, was eigentlich nicht zusammengehört. Aber letztendlich ist es uns gelungen. Jetzt kann ich guten Gewissens sagen: Die Sandkerwa steht finanziell auf einem sauberen und sicheren Fundament, das zumindest mittelfristig tragen wird – ich würde mich sogar sagen trauen, dass das langfristig hält.

Fühlen Sie sich als Sandkerwa-Retter?

Das wäre etwas hoch gegriffen, aber ich habe vielleicht einen kleinen Anteil daran gehabt. Das Ergebnis war entscheidend und das ist gut.

Sie hätten eigentlich schon vor einem Jahr aufhören können. War es Ihnen wichtig, noch einmal ein Jahr unter Normalbetrieb zu erleben?

Mein Vertrag endete am 31.12.2021 und ich hätte in Rente gehen können. Unter den Gegebenheiten mit den vielen Corona-Einschränkungen wollte ich aber noch um ein Jahr verlängern, um mit einem besseren Gefühl in den Ruhestand gehen zu können. Insbesondere bei der Sandkerwa war es im Nachhinein richtig: Das neue Finanzierungskonzept hat sich bewährt.

Haben Sie dieses Jahr noch mal richtig genießen können?

Es war schon noch herausfordernd. In den ersten zwei Monaten galten noch die Corona-Beschränkungen. Wir hatten vor der Pandemie deutlich über 200 Minijobber, die waren weg. Die feste Mannschaft war über lange Zeit in Kurzarbeit, das alles musste wieder hochgefahren werden. Dann gab es auch viele Medienanfragen wegen des neuen Finanzkonzepts der Sandkerwa. Ich habe mal zwei Tage lang nichts weiter gemacht, als das Konzept erklärt. Die Sandkerwa ist eben ein so hohes Kulturgut, dass bayernweit zur Kenntnis genommen wird, was da passiert.

Können Sie die nächste Sandkerwa genießen?

Klar, da kann ich dann relaxed sein. Wobei: Ich werde sicher nicht so relaxed zur Sandkerwa gehen wie andere Besucher. Ich werde immer noch schauen, ob es funktioniert, weil das in einem so drinsteckt, wenn man bislang für die Sicherheit zuständig war. Aber natürlich, die Verantwortung ist weg, dann wird man in aller Ruhe mit Freunden auch mal ein Bierchen trinken können – vor ein Uhr nachts (lacht).

Entwicklung des Veranstaltungs- und Kongressbereichs unter Horst Feulner

  • 2005 Gründung der Bamberg Congress & Event Service GmbH
  • 2006 Übernahme der Bewirtschaftung der Harmoniesäle 
  • 2018 Übernahme der Gastronomie der Brose-Arena 
  • 2010 Gründung der Bamberg Arena Betriebs Gesellschaft mbH und Übernahme der Vermietung und Vermarktung der Brose-Arena (drittgrößte Multifunktionshalle Bayerns).
  • 2018 zusammen mit Jürgen Wirth vom Bürgerverein IV. Distrikt, Geschäftsführer der Sandkerwa Veranstaltungs GmbH
  • Konzert- und Kongresshalle: 5337 Veranstaltungen mit 2,8 Millionen Besuchern
  • Harmoniesäle: 2023 Veranstaltungen mit knapp 188.000 Besuchern
  • Brose-Arena: 1427 Veranstaltungen mit 3,7 Millionen Besuchern

 

Fotonachweis: Sonja Seufferth, Stadtarchiv

Bildunterschrift: Horst Feulner (links) wurde von Oberbürgermeister Andreas Starke im Foyer der Konzert- und Kongresshalle verabschiedet.

Quelle: Stadt Bamberg

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