9. August 2021 / Lokalnachrichten

Sechs Jahre nach der „Flüchtlingskrise“ in Deutschland

Das bfz Bamberg informiert

Gelungene Integration dank bfz-Anerkennungsberatung: Wie ein Geflüchteter aus dem Irak in Bayern ankommt 

Nashwan arbeitet mittlerweile in Köln als Kfz – Mechatroniker. Dort gefällt es ihm besser, weil viele Familienmitglieder und Freunde dort wohnen. Davor hat er einige Jahre in Bamberg gelebt und gearbeitet. Auf seinem Erfolgsweg begleitet, hat ihn die Anerkennungsberatung bei den Beruflichen Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft (bfz) in Bamberg. 

„Wir lernen die Menschen mit all ihren Erfahrungen und Kenntnissen kennen und schauen uns dann gemeinsam mit den Ratsuchenden an, ob die Anerkennung ihres Berufs in Deutschland möglich ist“, erläutert Jennifer Einwag. Sie ist Anerkennungsberaterin in den bfz Bamberg (jennifer.einwag@bfz.de, 0951 93224-612) und hat Nashwan bei seiner beruflichen Integration unterstützt. Bei den Treffen wird geprüft, ob die Ausbildung oder das Studium aus dem Ausland in Deutschland anerkannt wird. Die Berater helfen außerdem bei der Suche nach Finanzierungsmöglichkeiten, begleiten die Geflüchteten durch den Behördendschungel oder empfehlen notwendige Qualifizierungen mit Hilfe der Qualifizierungsberatung von den bfz. „Dieses Rundum-Angebot ist wichtig, da viele verschiedene Stellen am Anerkennungsprozess beteiligt sind. Interessierte müssen zwar für die Prüfung zunächst Geld in die Hand nehmen. Unser Beratungsangebot ist dafür kostenfrei. Ein weiterer Vorteil: Die Chancen steigen, einen positiven amtlichen Bescheid zu erhalten“, erklärt Jennifer Einwag. Sie hat seit Einführung des Angebots im Jahr 2016 fast 700 Personen im Raum Oberfranken beraten. 

Nashwan floh aus dem Irak und kam im Juni 2015 nach Deutschland. Ursprünglich hat er im Irak Hotelfachmann gelernt, allerdings hat er kaum in dem Beruf gearbeitet. Dafür hat er ohne formalen Abschluss 17 Jahre Berufserfahrung im Kfz Bereich gesammelt. In Deutschland angekommen, lernte er zunächst die Sprache, bevor er im September 2017 als Helfer in einer Kfz-Werkstatt anfing. Ohne formalen Abschluss und somit auch ohne Papiere konnte er zu diesem Zeitpunkt keine Anerkennung beantragen. Auf Grund seiner langjährigen Berufserfahrung konnte er jedoch im August 2018 an einer Kompetenzfeststellung bei der Handwerkskammer (HWK) Oberfranken für Kfz – Mechatroniker im Rahmen des Projekts iNAQ teilnehmen. Dabei erzielte er ein so gutes Ergebnis, dass ihm die Anerkennung empfohlen wurde. Er musste dafür nur zwei Schulungen absolvieren. Diese besuchte er Anfang 2019 bei der HWK in Bamberg. „Im selben Jahr stellten wir innerhalb der Anerkennungsberatung den Antrag auf Gleichwertigkeit für den Kfz – Mechatroniker Fachrichtung PKW. Durch die langjährige Berufserfahrung, die sehr guten Ergebnisse in der Kompetenzfeststellung und in den Schulungen bekam er schließlich im September 2019 den Bescheid über die volle Gleichwertigkeit zur deutschen Ausbildung“, erzählt Jennifer Einwag. 

Eine Anerkennung ist nicht für jede Tätigkeit gleichermaßen wichtig. Manche Beschäftigungen, wie z.B. Arzt oder Erzieher dürfen von Personen mit ausländischem Abschluss nur dann ausgeübt werden, wenn die vollständige Gleichwertigkeit mit dem deutschen Referenzberuf amtlich festgestellt wurde. Bei der überwiegenden Mehrheit der Jobs ist dies nicht zwingend nötig. „Trotzdem profitieren Personen auch in diesen sogenannten unreglementierten Berufen von einer Anerkennung: Sie sind insgesamt häufiger, länger sowie in höheren Positionen und ihren Qualifikationen entsprechender beschäftigt. Auch finanziell macht sich das Verfahren bezahlt: Das monatliche Brutto-Einkommen ist nach erfolgreichem Antrag um durchschnittlich 1.000 Euro höher – ein Anstieg um rund 40 Prozent. Arbeitgeber profitieren von der Anerkennung, indem sie eine wertvolle Hilfe bei der Einschätzung von Abschlüssen ausländischer Bewerberinnen und Bewerber erhalten“, erklärt Kristin Hecker von der bfz Bildungsforschung. Sie koordiniert und unterstützt die bfz-Beratungen an fünf Standorten in 
Bayern. Gefördert werden die Stellen und die Koordination vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales. 

Hintergrund: 

Berufliche Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft (bfz) gGmbH 
Die bfz stehen in der Arbeitsmarktpolitik der öffentlichen Hand zur Seite: Im Auftrag der Arbeitsagenturen und Jobcenter bietet die Gesellschaft zusammen mit regionalen Partnern Menschen jeder Altersgruppe ein Sprungbrett in Job oder Ausbildung. Die bfz qualifizieren verschiedene Zielgruppen unter den arbeitslosen Menschen und vermitteln diese in den Arbeitsmarkt. In der bfz Bildungsforschung werden Modellversuche und Forschungsprojekte zur beruflichen Aus- und Weiterbildung durchgeführt. Die dort gewonnenen Erkenntnisse tragen wesentlich zur Modernisierung des deutschen und europäischen Bildungssystems bei. Die bfz sind eine Gesellschaft des Bildungswerks der Bayerischen Wirtschaft (bbw) e.V. 

Quelle: bfz Bamberg

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