3. Januar 2024 / Kunst & Kultur

Expertinnen präsentieren neue Forschungen zu Kaisergewändern

Buchvorstellung mit sensationellen Erkenntnissen im Diözesanmuseum Bamberg

Bamberg. Sie sind die Edelsteine des Bamberger Domschatzes: Die Kaisergewänder aus der Zeit der Bistumsgründer Heinrich und Kunigunde gehören weltweit zu den kostbarsten Textilien des 11. Jahrhunderts. Ihre Geschichte, ihr Material und ihre Herstellung wurden in den letzten acht Jahren intensiv erforscht. Der jüngst erschienene Band zur Kunsttechnik und Materialwissenschaft enthüllt neue Ergebnisse und Zusammenhänge. Das Diözesanmuseum Bamberg lädt zur Buchvorstellung mit den Autorinnen Sibylle Ruß und Ursula Drewello am 12. Januar um 18 Uhr ein.

Sechs reich und prächtig mit Goldfäden bestickte „Mäntel“ sind es, die als „Bamberger Kaisergewänder“ angesprochen werden: kostbare Textilien, die am kaiserlichen Hof und im Dom getragen und wohl vom Kaiserpaar Heinrich und Kunigunde gestiftet worden waren. Sie wurden jahrhundertelang als Berührungsreliquien des Heiligen Kaiserpaars verehrt. Dank eines Forschungsprojekts der Universität Bamberg konnten die 1000 Jahre alten Gewänder 2015 bis 2022 nun erstmals auch kunsttechnologisch und materialwissenschaftlich untersucht werden. Das Ergebnis übertrifft die Erwartungen: Mit 482 Farbabbildungen, darunter teils spektakulären Detailvergrößerungen, dokumentieren die Textilrestauratorin Sibylle Ruß und die Biologin Ursula Drewello ihre aufwändigen Forschungen. Mit Mikroskop und Labortechnik beantworteten sie die Fragen nach den originalen Bestandteilen, suchten Spuren von Veränderungen und Reparaturen vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert und konnten so Quellen und Forschungsergebnisse neu deuten.

Als Sensation gilt die Entdeckung und Analyse von unterschiedlichen Vorzeichnungen, die Hinweise auf den Entstehungsort des jeweiligen Mantels, also zu den verschiedenen Werkstätten geben können. Auch die neue Datierung des Reitermantels Heinrichs II. und der Nachweis seines originalen Zuschnitts zählen zu den Meilensteinen der jahrelangen Forschung. Der bedeutende Sternenmantel Heinrichs II. gibt nach wie vor Rätsel auf, doch konnten auch hier wesentliche neue Erkenntnisse gewonnen werden. Intensive gewebetechnische Untersuchungen ermöglichten eine Annäherung an die ursprüngliche Konzeption des Sternenmantels und widerlegen bisherige Theorien – wie etwa die des Auftraggebers, der Funktion des Mantels oder seiner Veränderungen im 15. Jahrhundert.

Bei allen untersuchten Gewändern lieferten die Analysen der Gewebe und verwendeten Farbstoffe, der Fadenverläufe, Schnittmuster und Vorzeichnungen wertvolle Hinweise für die Rekonstruktion des ursprünglichen mittelalterlichen Zustands der Gewänder, ihrer Motive und Inschriften. Die Zusammensetzung, Herstellung und Verarbeitung der Goldfäden und die komplexe Goldstickerei bezeugen die herausragende Handwerkskunst und Prachtentfaltung im Umfeld Kaiser Heinrichs II. im frühen 11. Jahrhundert. Hoch spannend ist die Identifikation der teils verändernden, teils bewahrenden Eingriffe im Spätmittelalter, als die Stickereien ausgeschnitten und auf neue Trägerstoffe gesetzt wurden, um die Mäntel weiterhin für die Verehrung zu erhalten.

Das Buch „Die Bamberger Kaisergewänder im Wandel. Textiltechnologische und materialwissenschaftliche Aspekte“ von Sibylle Ruß und Ursula Drewello erschien im Dezember 2023 im Schnell+Steiner Verlag Regensburg. Es ist im Museumshop am Domplatz 5 erhältlich. 

Das Diözesanmuseum Bamberg zeigt die Kaisergewänder in seiner Dauerausstellung im Steinsaal des Kapitelhauses: Montag bis Samstag von 10 bis 17 Uhr (mittwochs geschlossen), sonntags von 12 bis 17 Uhr. Weitere Informationen erhalten Sie unter www.dioezesanmuseum-bamberg.de.

Quelle: Erzbischöfliches Ordinariat Bamberg

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